Der nächste Weihnachtsstern kommt

Enge Konjunktion von Jupiter und Saturn im Dezember

Während Mars in der diesjährigen Opposition Mitte Oktober noch die beste Sichtbarkeit für die nächsten Jahre bietet, werden Jupiter und Saturn von den Beobachtern in unseren Breiten gerade etwas vernachlässigt. Die beiden größten Planeten des Sonnensystems stehen derzeit zu tief für perfekte Beobachtungsbedingungen, zu oft verhindert die Luftunruhe daher besonders hohe Vergrößerungen oder gestochen scharfe Aufnahmen.

Trotzdem sollten Sie die beiden icht ignorieren, und Sie benötigen auch kein besonders großes Teleskop: Bereits kleine Fernrohre, die weniger hoch vergrößern, zeigen den Ringplanet Saturn sowie die Wolkenbänder und Monde des Jupiter sehr schön. Und schon mit bloßem Auge können Sie in den nächsten Wochen sehen, wie die beiden sich nicht nur langsam vom Nachthimmel zurückziehen und immer früher am Abend untergehen, sondern auch, dass sie sich dabei immer näher kommen. So eine ähnlich enge Begegnung im Jahr 7 v. Chr. erklärt vielleicht auch den Stern von Bethlehem!

Konjunktion Jupiter und Saturn

So eine enge Begegnung im Jahr 7 v. Chr. erklärt vielleicht auch den Stern von Bethlehem!

Im Herbst stehen sie abends als helle Sterne auffällig im Süden. Anfang Oktober findet man sie zur besten Beobachtungszeit um 20 Uhr etwa 15 Grad über dem Horizont. Noch trennen etwa acht Grad die beiden Planeten – damit stehen sie zu weit auseinander, um sie beide gleichzeitig in einem üblichen Fernglas zu sehen.

Dafür stehen sie hoch genug über dem Horizont, damit das Wabern der Erdatmosphäre die Beobachtung nicht allzu zu sehr stört. Stellen Sie sich vor, dass wir am Boden eines "Meeres aus Luft" sind – beim Tauchen verschwimmt das Bild durch die Wassermassen ja auch. Trotzdem gibt es immer wieder ruhige Momente, in denen das Bild auch bei höherer Vergrößerung "steht" und die Details deutlich zu sehen sind. Hier gilt es, sich Zeit zu nehmen und wirklich zu beobachten, anstatt die Planeten nur gut anzuschauen. Für Fotografen lohnt sich auch hier auch ein IR-Pass-Filter.

Aber die Planeten stehen bekanntlich nicht still: Die Erde umkreist die Sonne einmal im Jahr, Jupiter benötigt dafür knapp 12 Jahre und Saturn fast 30 Jahre. Dadurch nähert sich Jupiter (von der Erde betrachtet) rasch Saturn (der sich vor den Hintergrundsternen nur wenig bewegt). Gleichzeitig verfrühen sich die Untergänge der Planeten, und sie ziehen sich vom Abendhimmel zurück.

Anfang November ist es bereits um 18 Uhr genug dunkel, dass Sie die Planeten jagen können – das Paar seht mittlerweile im Südwesten. Aber halten Sie sich ran: Gegen 20 Uhr gehen die beiden bereits unter bzw. versinken im Horizontdunst. Nun trennen die beiden größten Planeten des Sonnensystems. Damit passen Sie gerade so in das Bildfeld vieler Ferngläser. Um 18 Uhr stehen sie noch so hoch wie vor einem Monat um 20 Uhr.

Im Dezember beginnt die heiße Phase: Anfang des Monats trennen nur noch 1,5 Grad die beiden Planeten. Jetzt passen beide schon gleichzeitig in das Gesichtsfeld eines Teleskops mit einem guten Übersichtsokular. Nun wird es Tag für Tag enger.

Konjunktion Jupiter und Saturn

Nicht nur der Abstand zwischen den beiden Planeten schrumpft, sondern auch ihr Sichtbarkeitsfenster: Anfang des Monats stehen sie um 18 Uhr noch gerade einmal 12 Grad über dem Horizont, zur selben Zeit am Montag, dem 21. Dezember sogar nur 7 Grad. Halten Sie am besten schon direkt nach Sonnenuntergang Ausschau nach dem Paar. Es lohnt sich, denn nun stehen die beiden keine zehn Bogenminuten mehr auseinander! Um 19:21 MEZ kommen sie sich auf 6 Bogenminuten nahe, dann werden sie sich für uns in Deutschland aber bereits unter dem Horizont befinden – je nach Standort gehen sie gegen 19 Uhr unter, und eine Stunde davor ist die Beobachtung bereits knifflig – freien Himmel vorausgesetzt.

Damit sind sie ein ideales Ziel für das Teleskop bei etwas höherer Vergrößerung. Zum Vergleich: Der Doppelstern Mizar/Alkor (das "Reiterlein" im großen Wagen) ist 11 Bogenminuten und 46 Bogensekunden auseinander, der Doppelstern Gamma Equulei im Fohlen 6 Bogenminuten, und Jupiter hat einen Durchmesser von etwa 47 Bogensekunden. Ein Mondkrater wie Copernicus mit 100km Durchmesser erscheint etwa eine Bogenminute groß.

Anschließend entfernen die beiden Planeten sich wieder rasch voneinander, zu Neujahr beträgt ihr Abstand bereits über ein Grad. Hoffen wir also auf gutes Wetter!

Tipps zur Beobachtung

Die gute Nachricht: Sie können die Konjunktion bereits mit bloßem Auge verfolgen! Das Treffen der beiden Planeten im Jahr 7 v. Chr., das als eine mögliche Erklärung für den Stern von Bethlehem gehandelt wird, konnte schließlich auch nur mit bloßem Auge verfolgt werden – 16 Jahrhunderte vor der Erfindung des Teleskops!

Werfen sie in den nächsten Monaten einfach immer wieder bewusst einen Blick auf die beiden Planeten und verfolgen Sie ihren Lauf vor den Hintergrundsternen. Ein Fernglas hilft bei der Beobachtung, zeigt die Jupitermonde und kann immer dabei sein; erste Details wie die Saturnringe lassen sich auf den Planeten aber erst mit rund 30facher Vergrößerung sicher erkennen.

Für diese Vergrößerung benötigen Sie noch kein Teleskop: Bereits ein besseres Spektiv wie die Ultima-, TrailSeeker- oder Regal-Spektive von Celestron deckt den Vergrößerungsbereich bis ca. 60x ab und zeigt Ihnen die Saturnringe und die Wolkenbänder auf Jupiter. Zusammen mit einem guten, ausreichen hohen Fotostativ wie dem Astro & Nature Stativ, Aluminium-Doppelrohrstativ mit Fluid-Neiger und Schnellwechselplatte (#2451020, € 184,23) können Sie so jederzeit ohne großen Aufwand einen Blick auf unseren Weihnachtsstern werfen.

Für die enge Begegnung am 21. Dezember benötigen Sie mindestens ein Spektiv, besser ist ein Teleskop. Auch hier benötigen Sie kein Spitzengerät für tausende Euro: Jedes Teleskop mit mindestens 70 oder 80mm Öffnung liefert bereits ausreichend Vergrößerung und genug Gesichtsfeld, um das Paar schön zu sehen.

Um wirklich Details zu sehen, benötigen Sie aber höhere Vergrößerungen. Zwischen 250x und 300x werden für die Planetenbeobachtung eingesetzt, vor allem wenn sie höher am Himmel stehen und die Luftunruhe nicht stört. Dazu sollte das Teleskop mindestens 15cm (6 Zoll) Öffnung haben, besser 20cm (8 Zoll). Bei diesen hohen Vergrößerungen macht die Planetenbeobachtung nur dann wirklich Spaß, wenn das Teleskop automatisch nachgeführt wird. Dann können Sie sich auf das Beobachten konzentrieren und müssen nicht ständig nachführen. Heute ist die Nachführung meist schon mit einer Computersteuerung kombiniert, damit das Teleskop die Ziele automatisch anfährt. Dazu müssen Sie bei azimutalen Montierungen nur drei Referenzsterne einstellen (parallaktische Montierungen müssen zusätzlich exakt auf den Himmelspol ausgerichtet werden), dann kann es losgehen.

Orthoskopische Okulare bieten das schärfste Bild für die Planetenbeobachtung bei gleichzeitig günstigem Preis; hochwertige Weitwinkelokulare wie die Morpheus sind vergleichbar gut, zeigen aber zusätzlich einen wesentlich größeren Himmelsausschnitt bei selber Vergrößerung.

Tipps zur Fotografie

Microstage II Digiscoping Adapter

Microstage II Digiscoping Adapter (#2450330, € 47,77)

Die Konjunktion ist ein schönes Ziel für Kameras mit lichtstarken Objektiven. Durch die Horizontnähe ergeben sich schöne Bildkompositionen.

Für die heiße Phase im Dezember können Sie versuchen, die Begegnung mit der Handykamera oder einer (Kompakt) Kamera durch das Okular festzuhalten. Das geht besonders einfach mit einer Halterung wie dem NexYZ für Smartphones oder der Microstage für Kompaktkameras; eine DSLR kann an Okulare wie die Morpheus oder Hyperion adaptiert werden.

Für die Mondbeobachtung haben wir das in den beiden folgenden Blogbeiträgen beschrieben; die Technik lässt sich auch für Jupiter und Saturn anwenden:

Astroaufnahme mit einem Baader IR Passfilter

Astroaufnahme mit einem Baader IR Passfilter

Wenn Sie mit hoher Vergrößerung auf die Planeten halten, wird die Luftunruhe immer mehr zum Problem. Etwas Abhilfe schafft ein IR-Passfilter.

Davon abgesehen wird bei Planeten heute ohnehin gefilmt: Ein kurzes Video enthält tausende Bilder, von den die schärfsten aussortiert und weiterverarbeitet werden. Die Videomodule haben allerdings sehr kleine Sensoren, beide Planeten gemeinsam auf ein Bild zu bannen wird schwierig. Zum schnellen Finden der Planeten und dem raschen Wechsel zur Kamera bietet sich ein Klappspiegel an, der im Set mit einer Planetenkamera erhältlich ist.

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht zur hoch auflösenden Mond- und Planetenfotografie mit einem VideomodulTipps und Tricks zur hochauflösenden Mond- und Planetenfotografie

Viel Erfolg und Clear Skies!


Über den Autor

Alexander Kerste

Alexander Kerste ist von Haus aus studierter Biologe und arbeitet als Freiberufler unter anderem als Autor, Berater und Übersetzer. Nach dem Studium und der Veröffentlichung des Kosmos Sternkarten-Sets im Jahr 2004 war er unter anderem regelmäßiger freier Mitarbeiter bei Astronomie Heute und dem Jahrbuch Der Himmel für den Spektrum-Verlag in Heidelberg. Er betreut die Einsteigerkurse auf www.Astronomie.de und ist seit 1993 ehrenamtlich auf der Heilbronner Robert-Mayer-Sternwarte aktiv. Seitdem hat er eine Reihe von Büchern veröffentlicht, über Celestron-Teleskope ebenso wie über Digiskopie und zuletzt Astrofotografie. Eines seiner Bücher über Astronomie mit dem Fernglas ist auf freebook.fernglasastronomie.de auch frei zugänglich. Außerdem betreut er Nordlicht-und-Sterne-Reisen auf der Hurtigrute – auch diese wurden in einem Reiseführer verarbeitet, die Reiseberichte gibt es auch in seinem Blog auf kerste.de.

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