Die richtige Kamera für die Planetenfotografie

Es gibt heute eine Vielzahl von hochwertigen, bezahlbaren und benutzerfreundlichen Planetenkameras, so dass der Einstieg in die Astrofotografie einfacher ist als jemals zuvor. Aber welches der vielen Modelle ist das richtige für Sie? Bryan Cogdell, Produktmanager und Foto-Experte bei Celestron, beantwortet die häufigsten Fragen, damit Sie erfolgreich in das Hobby starten können. (Stand: Juli 2014)

Was ist bei der Fotografie der Mitglieder des Sonnensystems zu beachten? Warum kann ich keine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) dafür verwenden?

Mit einer DSLR können Sie fast alles fotografieren, auch Ziele im Sonnensystem. Aber aus zwei Gründen sind sie für die Fotografie der kleinen Planeten weniger gut geeignet. Zum einen sind die Planeten auf dem großen Sensor winzig – Saturn zum Beispiel wäre nur einziges Scheibchen in dem großen Bildfeld, sodass Sie den größten Teil des Kamerasensors nicht ausnützen würden. Andererseits sind auch moderne Spiegelreflexkameras viel langsamer als moderne Hochgeschwindigkeits-Planetenkameras (in Verschlussgeschwindigkeit wie auch in Bildrate), und bei der Planetenfotografie ist die Bildrate das A und O.

Die Ziele im Sonnensystem sind in der Regel hell und kontrastreich. Daher können die Bilder mit sehr kurzen Belichtungszeiten aufgenommen werden. Planeten werden mit sehr hoher Vergrößerung aufgenommen, sodass sie weicher erscheinen. Außerdem verwischt die Luftunruhe feine Details. Zum Glück gibt es immer wieder kurze Momente, in denen die Luft „steht“ und das Bild klar und scharf ist. Aber es gibt noch ein weiteres Problem: Das Rauschen der Kamera. Sie müssen also mit der Luftunruhe und dem Kamerarauschen kämpfen. Die Lösung besteht in einer großen Anzahl von Aufnahmen – so viele, wie sie in ein oder zwei Minuten machen können. Deshalb ist die Bildrate wichtig. Je mehr Bilder Sie aufnehmen können und je kürzer die Verschlusszeiten sind, desto besser.

Wichtige Tipps für die Planetenfotografie:

  • Nehmen Sie die Bilder bei hoher Vergrößerung / langer Brennweite auf
  • Nehmen Sie die Bilder mit der schnellstmöglichen Verschlussgeschwindigkeit auf („Shutter Speed“).
  • Nehmen Sie die Bilder mit der schnellstmöglichen Bildrate auf („Frame Rate“).
  • Verarbeiten Sie die Bilder mit einer Freeware wie RegiStax oder AutoStakkert. Die Programme wählen automatisch die schärfsten Bild aus und überlagern sie („Stacking“), um alles aus Ihren Rohbildern herauszuholen.

Brauche ich einen dunklen Beobachtungsplatz fern der städtischen Lichtkuppeln für die Planetenfotografie?

Nein! Glücklicherweise sind die Planeten so hell und kontrastreich, dass Sie sie genauso gut aus einer hellen Stadt wie vom dunklen Land aus fotografieren können. Einige der besten Planetenfotos der Welt wurden in Stadtnähe aufgenommen.

Was ist der einfachste und kostengünstigste Einstieg in die Planetenfotografie?

Ein langbrennweitiges Teleskop ist ideal für die Planetenfotografie – Schmidt-Cassegrains sind dafür perfekt geeignet! Ein NexStar 6 SE Goto-Teleskop (#821860, € 1262,36) mit einer NexImage Kamera wäre für den Einstieg eine sehr schöne Kombination mit sehr gutem Preis/Leistungsverhältnis.

Sollte ich mit dem Kauf einer High-End-Kamera warten und erst mit einem günstigeren Modell üben?

Bei der Planetenfotografie beeinflusst die Qualität der Kamera nicht unbedingt die Schwierigkeiten bei der Aufnahme. Sie können also zu einer besseren Kamera greifen, ohne dass dadurch die Lernkurve steiler würde – die Probleme sind die selben, nur liefert eine bessere Kamera auch bessere Rohdaten. Genau wie bei Teleskopen sollten Sie zur besten Kamera greifen, die Sie sich leisten können, damit Sie Leistungsreserven haben und nicht so schnell über ein Upgrade nachdenken müssen.

Wie unterscheidet sich die Software der verschiedenen Kameras?

Bei den meisten Kameras gehört zumindest ein Programm zur Bildaufnahme zum Lieferumfang. Die Software ist nicht immer die gleiche, aber sie erfüllt die selben Funktionen: Die Steuerung der Kameraeinstellungen wie Signalverstärkung (Gain) oder Belichtungszeit sowie die eigentliche Bildaufnahme und das Speichern der Daten auf dem Computer für die folgende Bildbearbeitung.

Bei allen Celestron-Planetenkameras liegt die Software zur Bildaufnahme und zur anschließenden Bildbearbeitung bei, sodass Sie Ihre Bilder ohne zusätzliche Software aufnehmen, bearbeiten und veröffentlichen können.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen NexImage, NexImage 5 und NexImage Burst?

  • Die ist die preiswerteste Kamera, die gute Bilder der Planeten liefert. Mit fast einem Megapixel ist sie leistungsstark, schnell und einfach zu benutzen.
  • Die NexImage 5 (#825101, € 271,96) hat eine hohe Auflösung, also viele Pixel auf einer kleinen Fläche. Mit 5 Megapixeln ist sie hervorragend geeignet für Sonne und Mond, ebenso wie für die Planeten im Allgemeinen.
  • Die NexImage 10 (#825104, € 388,94) bietet 10 Megapixel und USB 3.0. Durch die hohe Auflösung benötigen Sie an Schmidt-Cassegrains keine Barlowlinse mehr, um die Auflösung des Teleskops auszureizen. Die Region of Interest ermöglicht es, die Datenmengen einzuschränken.
  • Die NexImage Burst Color (Aptina Chip) (#825098, € 369,45) ist zurzeit die leistungsstärkste Kamera in ihrer Klasse. Lassen Sie sich von den „nur“ 1,2 Megapixeln nicht irritieren – es geht nicht um die reine Pixelzahl! Die Kamera hat die höchste Empfindlichkeit, Geschwindigkeit und Bildqualität in ihrer Klasse, sodass sie die besten Planetenbilder liefern kann. Die NexImage Burst Monochrom (Aptina-Chip) (#825099) hat eine noch höhere Empfindlichkeit; für Farbbilder ist allerdings ein höherer Aufwand mit Farbfiltern nötig.

 

USB 3.0 vs. USB 2.0: Lohnt sich der Aufpreis?

Ganz klar: Ja. Bei der Planetenfotografie kommt es auf die Geschwindigkeit an. Sowohl Kameraverschluss als auch Bildrate müssen hoch sein. USB 3.0 ermöglicht eione höhere Bildrate, da Sie die Aufnahmen schneller auf den Computer übertragen können. So sind bessere Ergebnisse möglich.

Farbe oder Schwarzweiß – was ist besser?

Eine Farbkamera ist einfacher in der Handhabung, da sie sofort vollfarbige Bilder liefert. Außerdem ist sie günstiger, da sie weniger Zubehör wie Filter benötigt – oder gar keins.

Schwarzweiß- bzw. Monochromkameras haben das Potential für bessere Bilder, da sie lichtempfindlicher sind als Farbkameras. Allerdings müssen Sie eine reihe von Filtern verwenden, um Farbbilder zu erzielen. Durch diese Filter sind sie etwas teurer und aufwendiger in der Handhabung, aber der Mehraufwand ist sichtbar.

Wie steige ich in die Sonnenfotografie ein? Brauche ich ein spezielles Sonnenteleskop?

Wenn Sie bereits ein Teleskop besitzen, können Sie seine volle Öffnung mit einem Objektivsonnenfilter nutzen, den Sie leicht aus AstroSolar-Folie von Baader Planetarium selbst bauen können. So können Sie die Sonne im „Weißlicht“ fotografieren und die Sonnenflecken im Bild festhalten.

Wenn Sie ein Teleskop mit einem H-Alpha-Filter besitzen, können Sie die ansonsten verborgenen Stukturen wie Protuberanzen und Flares fotografieren.