Nachgerüstetes 11" Schmidt-Cassegrain mit Hyperstar System- W. Paech

von Wolfgang Paech, Oktober 2010

Im Juli hatte ich die Möglichkeit einige Testaufnahmen mit einem an ein altes Celestron 11 adaptiertes HyperStar System mit meiner BAADER modifizierten Canon EOS 40 D aufzunehmen. Das Bild rechts zeigt das Instrument, welches zusammen mit zwei Refraktoren auf einer ALT 6ADN montiert war. Standort des Equipments war die Farm Rooisand in Namibia.

Das C11 älteren Baujahrs war nicht FastStar tauglich und wurde von zwei Mitarbeitern der Firma Baader so umgerüstet, dass das HyperStar System adaptiert werden konnte.

Leider hatte ich nur wenig Zeit zur Verfügung, so dass ich an dieser Stelle nur zwei Bildergebnisse präsentiert werden können, die aber eindrucksvoll belegen, welche Möglichkeiten das System eröffnet.

Kurz nach Sonnenuntergang wurden erste terrestrische Bilder aufgenommen. Zum einen, um die Vignettierung besser erkennen zu können, zum anderen um einen groben Überblick auf die Fokustoleranz zu erhalten, die ja bei einem f/2 Strahlengang extrem gering ist.

Das folgende Bild zeigt das volle Feld der Canon 40D und die geringe sichtbare Vignettierung resultiert nicht aus dem HyperStar System, sondern aus dem zu engen Spiegelgehäuse der 40 D. Sie ist so gering, dass sie in der Bildverarbeitung leicht entfernbar ist.

Die Fokussierung des Bildes erwies sich als erstaunlich unproblematisch, denn der Fokustoleranzbereich ist erstaunlich breit. Die eigentlich immer problematische Fokussierung über den "kippenden" Hauptspiegel gelang auf Anhieb. Aus meinen Erfahrungen mit "schnellen" optischen Systemen wie den Lichtenknecker Flatfieldkameras hatte ich mehr Probleme erwartet.

Problematischer ist dagegen das HyperStar System sauber zu kollimieren. In Folge der Erwärmung durch die Namibische Sonne hatten sich die Justageschrauben nach der sauberen Justierung durch die Baader Leute der vergangenen Nacht gelöst und das System musste neu kollimiert werden, was mit dem unsymmetrischen Kameragehäuse nicht so einfach war. Deswegen wurde eine Blende geschnitten, die das Kameragehäuses abdeckte, die für die eigentlichen Aufnahmen später natürlich wieder entfernt wurde.

Für Beobachter, die ohne "zweiten Mann" kollimieren müssen gibt es eine Freeware Software, die zur Justage von SC-Systemen ALLER Art fanstatisch geeignet ist. Das Programm heißt AstroRaster, wird aber offenbar leider vom Programmierer - Bernd Marquardt - nicht weiter gepflegt. Diese Software projiziert verschiedene Gitternetze als Overlay auf den Bildschirm, die in der Transparenz einstellbar sind.


So kann AstroRaster zwei - in ihrem Durchmesser unabhängig einstellbare - zentrische Kreise einblenden, mit denen man ein SC Teleskop sauber kollimieren kann.

Die beiden Bilder oben zeigen Screenshots von AstroRaster und der Blende - auch die Kabelverbindungen zur 40 D sind sichtbar.

Doch genug zur Technik und zu den Ergebnissen:

Ausgesucht wurden für die Testaufnahmen die beiden Highlights des südlichen Himmels, auch weil Bilder dieser Objekte für Vergleiche im Web weit verbreitet sind.

Eta Carina Komplex. Addition von 10 Einzelbildern 1600 ASA, je 30 Sekunden belichtet

Eta Carina Komplex. Addition von 10 Einzelbildern 1600 ASA, je 30 Sekunden belichtet

Omega Centauri, Addition von 10 Einzelbildern bei 500 ASA, je 30 Sekunden belichtet

Omega Centauri, Addition von 10 Einzelbildern bei 500 ASA, je 30 Sekunden belichtet


Die Alt Montierung lief frei, also kein Guiding. Es wurden keine Flatfield- und keine Dunkelbilder aufgenommen, denn bei diesen kurzen Belichtungszeiten ist die 40 D praktisch rauschfrei. Die Umgebungstemperatur lag bei ca. 20 Grad Celsius. Die Bilder sind um ca. 10% am Rand beschnitten.

völlig unbearbeitetes Rohbild von Eta Carina

völlig unbearbeitetes Rohbild von Eta Carina in Originalgröße im Format 3888 x 2592 Pixel

völlig unbearbeitetes Rohbild von Omega Centauri

völlig unbearbeitetes Rohbild von Omega Centauri in Originalgröße im Format 3888 x 2592 Pixel


Schaut man sich die äußersten Bildecken der Bilder in Originalgröße an, so sieht man, dass die Justage nicht 100% gelungen war.

Schaut man sich hellere Sterne im Eta Carina Bild an, so sieht man "unschöne" Beugungseffekte durch die Kabelverbindungen zum Kamerahäuse.

Letzteres lässt sich sicher durch eine Konstruktion von vier Streben, an denen die Kabel sauber entlang geführt werden und die vor der Schmidtplatte montiert wird, wirkungsvoll verhindern. Bleibt die kritische Justage, die aber sicher bei mehr Einarbeitung ebenfalls in den Griff zu bekommen ist.

Auf jedem Fall bietet das HyperStar System im Einsatz unter dunklem Himmel großartige Perspektiven und ein enormes Potential, denn

  • die Nachführung ist unkrtitisch,
  • die Fokussierung ist unproblematisch,
  • das nutzbare Gesichtsfeld am C11 ist enorm und
  • der Zeitgewinn ist dank der kurzen Belichtungszeiten (ohne Dunkelbilder) sehr groß.

Folgend 3 Bildbeispiele, die Mitarbeiter der Firma Baader an oben beschriebenen Equipment einige Nächte vorher aufgenommen haben. Montiert war das C11 allerdings noch auf einer älteren Atlux Montierung. Auch alle Einzelbilder dieser drei Beispiele wurden bei freilaufender Montierung - also ohne Tracking Kontrolle - belichtet. Kamera war eine Baader modifizierte Canon EOS 5D Mk II. Die Vorschaubilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Die Bilddaten (von links nach rechts):

  • IC 2944, großer offener Sternhaufen und Nebelkomplex um den Stern Lambda Centauri, 12 x 60 Sekunden,
  • NGC 6723, Kugelsternhaufen, blaue Reflexionsnebel und große Molekülwolke in der südlichen Krone, 9 x 90 Sekunden und
  • IC 4628, lichtschwache H-alpha Region im Skorpion mit den offenen Sternhaufen NGC 6231, NGC 6281 und NGC 6242, 17 x 60 Sekunden.

 

 


Wolfgang Paech

Über den Autor

Wolfgang Paech betreibt Astronomie seit nunmehr über 50 Jahren. Neben seinen zahlreichen Erfahrungen mit Sternwarten-Kuppeln aller Art sind seine Kerngebiete die Sonne und der Mond. Auf der Website www.chamaeleon-observatory-onjala.de finden Sie einen kompletten Mondatlas, aufgenommen mit seiner Standardtechnik. Aber auch in Sachen Deep-Sky und Planeten kann ihm, als langjährig erfahrenem Astrofotograf, niemand etwas vormachen.

Die 50+ Jahre Amateurastronomie mit vielen weiteren Bereichen, wie z.B. der Restaurierung historischer Amateurteleskope, Polarlichtreisen und vielem mehr sind auf seiner privaten Webseite unter www.astrotech-hannover.de aufbereitet.

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