Schnell noch Komet C/2018 Y1 Iwamoto beobachten!

C/2018 Y1 Iwamoto, Aufnahme vom 12. Februar 2019, 24x50 Sekunden mit RASA 8, UT 1.10, Michael Jäger

C/2018 Y1 Iwamoto, Aufnahme vom 12. Februar 2019, 24x50 Sekunden mit RASA 8, UT 1.10, Michael Jäger

Wieder ein Komet fürs Fernglas

Kaum ist Komet Wirtanen auf Abstand zur Erde gegangen, zeigt sich C/2018 Y1 Iwamoto. Er wandert durch die Sternbilder Löwe, Krebs und Zwillinge und ist zurzeit die ganze Nacht über zu sehen. Der Komet Iwamoto ist knapp unterhalb der Grenze zur Wahrnehmbarkeit mit dem bloßen Auge, bereits ein kleines Fernglas zeigt ihn. Für Astrofotografen ist er ein ideales Ziel. Leider stört der zunehmende Mond in den nächsten Tagen immer mehr, und im März wird der Komet bereits wieder deutlich dunkler sein. Um Iwamoto noch schön zu sehen und im Bild festzuhalten ist also Eile geboten.

Aufsuchskarte: Bahn des Kometen C/2018Y1 Iwamoto

Aufsuchkarte: Bahn des Kometen C/2018Y1 Iwamoto

Seine Bahngeometrie ähnelt der von Wirtanen: Auch Iwamoto kommt in Sonnennähe der Erde nahe und bleibt doch stets außerhalb der Erdbahn. Wir sehen ihn als recht großen, runden Gasball, etwa halb so groß wie der Vollmond. Er zeigt keinen visuell sichtbaren Schweif, aber auf Fotos, die unter sehr dunklem, klaren Himmel gewonnen werden, sind mittlerweile zwei Schweife zu sehen, die in über 90 Grad Winkel zueinander stehen. Die Aufnahmen von Michael Jäger mit dem RASA 8" - Rowe-Ackermann Schmidt Astrograph (#822252, € 2195,-) zeigen diese interessante Schweifkonfiguration, die man nur dann zu sehen bekommt, wenn man quasi von vorn auf einen Kometen schaut.

C/2018 Y1 Iwamoto, Animation vom 1. Februar 201, UT 23.56 34x30 Sekunden, Michael Jäger

C/2018 Y1 Iwamoto, Animation vom 1. Februar 2019, UT 23.56 34x30 Sekunden, Michael Jäger

 Der Kern des Kometen 67P/Tschurionow Gerassimenko, Größe: ca. 3,5x4km. Aufgenommen von der europäischen Raumsonde "Rosetta" Man sieht wie die Oberfläche durch die Abschmelzvorgänge der vielen Sonnenpassagen verändert wurde, ebenso sind Ausgasungen sichtbar. Bildquelle: ESA

Der Kern des Kometen 67P/Tschurionow Gerassimenko, Größe: ca. 3,5x4km. Aufgenommen von der europäischen Raumsonde "Rosetta". Man sieht wie die Oberfläche durch die Abschmelzvorgänge der vielen Sonnenpassagen verändert wurde, ebenso sind Ausgasungen sichtbar. Bildquelle: ESA

Ein Besucher aus dem Kühlschrank des Sonnensystems

Die Fotos faszinieren umso mehr, wenn man begreift, worauf man hier eigentlich blickt. Die grüne Wolke entsteht durch Gas, das einem relativ kleinen Kometenkern aus Eis und Staub entspringt, wenn er sich auf seiner Reise durch das Sonnensystem der Sonne nähert und erwärmt. Der Kern selbst im Inneren der Wolke ist vor unseren Blicken verborgen und nur ein bis zwei Kilometer groß. Kometenkerne wurden schon von Raumsonden besucht, zuletzt hat die europäische Raumsonde „Rosetta“ faszinierende Nahaufnahmen von Komet „Tschuri“ gemacht.

Wir blicken hier auf Urmaterie aus der Frühzeit des Sonnensystems, mehr als vier Milliarden Jahre alt. Seit dieser Zeit waren sie quasi wie im Kühlschrank aufbewahrt am Rande des Sonnensystems, in zwei großen Reservoirs, dem so genannten „Kuipergürtel“, der hinter Neptun beginnt, und der „Oortschen Wolke“, die sich noch viel weiter draußen befindet. Wenn wir einen aktiven, periodischen Kometen mit einer Raumsonde besuchen, ist er allerdings schon durch viele Sonnenvorbeiflüge verändert. Es ist wissenschaftlich noch viel interessanter ein ganz ursprüngliches, unverändertes Objekt aus der Frühzeit des Sonnensystems mit einer Raumsonde zu besuchen - und das ist Anfang des Monats gelungen.

New Horizons, Ultima Thule und die Verbindung zu Kometen

Die Umlaufzeit des Kometen Iwamoto von 1371 Jahren deutet auf eine Herkunft außerhalb des Kuipergürtels hin, aus den Regionen der „Transneptunischen Objekte“, also noch weiter draußen als Neptun. Dort ist eben jene Urmaterie unverändert in der Kälte konserviert, aus der alles entstanden ist: die Planeten, Asteroiden, Monde und Kometen.

 Das "Ultima Thule" genannte "transneptunische" Kuiper Gürtel Objekt (486958) 2014 MU 69 Größe ca. 31 km Gesamtlänge, die Dicke ist noch fraglich. Vermutlich ist der größere Teil recht flach ("Pfannkuchen") und der kleinere eher geformt wie eine Walnuss. Bildquelle: NASA (New Horizons Sonde)

Das "Ultima Thule" genannte "transneptunische" Kuipergürtel Objekt (486958) 2014 MU 69, Größe ca. 31 km Gesamtlänge, die Dicke ist noch fraglich. Vermutlich ist der größere Teil recht flach ("Pfannkuchen") und der kleinere eher geformt wie eine Walnuss. Bildquelle: NASA (New Horizons Sonde)

Bildquelle: NASA

Bildquelle: NASA

Die Raumsonde „New Horizons“ der NASA, welche vor drei Jahren die ersten Nahaufnahmen des Pluto gesendet hat (nach 10 Jahren Reisezeit) bewegt sich in diesen Regionen und hat nun erstmals Fotos und Messergebnisse eines solchen Objektes gewonnen, das vorläufig „Ultima Thule“ genannt wird. Leider dauert die Übertragung aller Fotos und Daten noch etwa 20 Monate - aufgrund der weiten Entfernung ist die Datenrate sehr gering. Die ersten Fotos haben jedoch jetzt schon für Überraschungen gesorgt. Ultima Thule ist aus zwei Objekten „zusammengesetzt“. Dabei ist eines flach wie ein Pfannkuchen und das andere ähnelt einer eingedellten Walnuss. Wie solche Formen entstehen und woraus die beiden Körper genau bestehen, diese Fragen werden viele Wissenschaftler noch für etliche Jahre beschäftigen. Die nächsten Monate werden spannend: Nach und nach werden die Fotos und Messergebnisse veröffentlicht und sich unser Wissen über die Anfänge des Sonnensystems und damit uns selbst erweitern.


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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